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Stadttheater Aschaffenburg: Veranstaltungsreihen Brentano-Akademie

Die Familie Brentano und Aschaffenburg

Clemens Brentano (1778–1842), einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Romantik, Mitherausgeber der berühmten Volkslied-Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ und Schöpfer der Sage von der Loreley, Autor von hochkomplexen Kunstmärchen, Stückeschreiber und Verfasser von religiösen Andachts- und Gedenkschriften, ist mit der Stadt Aschaffenburg eng verbunden: Im Haus seines Bruders Christian verlebte er die letzten Wochen seines Lebens und starb hier am 28. Juli 1842. Er wurde im Grab der Familie Brentano auf dem Aschaffenburger Altstadtfriedhof bestattet.

Die Erfolgsgeschichte der weit verzweigten Kaufmannsfamilie Brentano führte im Laufe mehrerer Jahrhunderte vom Comer See an den Main. Von Frankfurt aus unterhielten die weltoffenen und kunstsinnigen Brentanos aber nicht nur Handelsbeziehungen nach nah und fern, sondern sie übten auch prägende Einflüsse auf das kulturelle und wissenschaftliche Leben aus.

Der romantische Dichter Clemens Brentano ist zwar die schillerndste und heute noch bekannteste, aber keineswegs die einzige bedeutende Persönlichkeit aus dieser Familie, der bedeutende Schriftsteller, Kunstsammler und Gelehrte entstammen. Seine Großmutter Sophie La Roche war eine der ersten und erfolgreichsten Frauenschriftstellerinnen ihrer Zeit und pflegte mit Wieland und Goethe regen Austausch und engen Kontakt. Seine Tante Antonia war mit Ludwig van Beethoven befreundet und war als mögliche Empfängerin des berühmten Briefes an die unbekannte „unsterbliche Geliebte“ im Gespräch. Seine Schwester Bettine war mit Clemens Brentanos Freund, dem „Wunderhorn“-Sammler und Dichter Achim von Arnim, verheiratet. Als Zeitzeugin und Chronistin der Romantik schrieb Bettine Brentano unter anderem über Goethe und Beethoven, Karoline von Günderrode und Robert Schumann. Clemens Brentanos Schwager Friedrich Carl von Savigny war ein bedeutender Rechtsgelehrter. Sein Neffe Franz Brentano wirkte als Theologe und Philosoph in Wien.

In der weit verzweigten Familie Brentano wurde neben der Literatur auch die Musik stets intensiv gepflegt: Clemens Brentano sang zur Gitarre, andere Familienmitglieder spielten Flöte, Geige und Klavier. Die gastlichen Häuser der Brentanos waren Veranstaltungsorte von musikalischen Gesellschaften. Davon legen auch einige Zeichnungen Zeugnis ab, beispielsweise Carl Johann Arnolds Aquarell eines Quartettabends bei Bettine von Arnim aus der Mitte der 1850er Jahre. Außerdem waren die Brentanos ebenso fachkundige wie begeisterte Kunstsammler.

Neben dem Stammhaus in Frankfurt kommt der Stadt Aschaffenburg eine wichtige Bedeutung in der Familiengeschichte zu. Christian Brentano führte hier ein gastfreundliches Haus, in dem auch die Brüder Grimm und ihr malender Bruder Ludwig Emil Grimm gern gesehen waren; eine humoristische Skizze aus seinem „Reisetagebuch in Bildern“ trägt den Titel „In Aschaffenburg – Christian Brentanos Vorlesung“. Drei Mitglieder der Familie sind in Aschaffenburg bestattet: Clemens, Christian und Ludovica (Lulu) Brentano. Der Philosoph Franz Brentano, Christians Sohn, verbrachte hier seine Kindheit.

Deshalb ist es an der Zeit, an die Bedeutung Aschaffenburgs für den Kreis der Romantiker und ihre Nachwirkung in der europäischen Geistesgeschichte anzuknüpfen und die Tradition der Familie auf lebendige Weise fortzuschreiben.

Die Brentano-Akademie Aschaffenburg

Die Stadt Aschaffenburg hat gemeinsam mit Dr. Stephan Dessauer, dem Eigentümer des Künstlerhauses „Altes Forstamt“, die „Brentano-Akademie Aschaffenburg“ gegründet. Dem geistig vitalen, vielseitig interessierten und für neue Entwicklungen stets aufgeschlossenen Charakter der Familie Brentano entsprechend, möchte die Brentano-Akademie kreativen künstlerischen und literarischen Entwicklungen Raum geben. Dabei soll die interdisziplinäre Vernetzung von Musik, Literatur, bildender und darstellender Kunst sowie geisteswissenschaftlicher Reflexion im Fokus stehen.

Von besonderer Bedeutung ist die enge Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen des Rhein-Main-Gebiets. Die Vorbereitung und Durchführung des Projekts geschieht in enger Abstimmung mit Prof. Dr. Wolfgang Bunzel, dem Koordinator der Brentanoabteilung des Freien Deutschen Hochstifts Frankfurt und Dr. Ulrike Kienzle, die u.a. mit der musikwissenschaftlichen Expertise für das Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt betraut ist und 2019 eine viel beachtete Ausstellung über Clara Schumann im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt kuratiert hat. Weitere Kooperationspartner sind das Goethehaus Frankfurt und das Brüder-Grimm-Haus in Steinau.

Schwerpunkt Biennale

Ihren Schwerpunkt setzt die Akademie mit der Durchführung einer Veranstaltungsreihe in zweijährigem Turnus. Dieses Festival steht unter der künstlerischen Leitung von Julian Prégardien, einem der gefragtesten und erfolgreichsten Sänger der jungen Generation und Professor für Gesang an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Das Veranstaltungsprogramm der ersten Brentano-Akademie vom 1. bis 6.Juni 2020 beinhaltet Konzerte, Meisterklassen, musik- und literaturwissenschaftliche Vorträge, offene Singen, Poetry Slam, Puppenspiel, Ausstellungen, Exkursionen und einen Tanzworkshop. Diese teilweise innovativen Formate wollen dazu beitragen, die kreativen Potentiale der romantischen Generationen für die Zukunft zu erschließen. Der weltläufigen Haltung der Familie entsprechend, spielen dabei auch internationale Beziehungen eine Rolle. So steht Italien – als Herkunftsort der Familie Brentano und als Sehnsuchtsort der Romantiker- im Fokus des ersten Festivals.

Mit der inhaltlichen Ausgestaltung und der organisatorischen Vorbereitung ist ein Kuratorium befasst, das aus den nachfolgend genannten Persönlichkeiten besteht: Klaus Herzog (Oberbürgermeister), Prof. Dr. Winfried Bausback und Martina Fehlner (MdL), Prof Julian Prégardien (künstlerischer Leiter), Dr. Stephan Dessauer, Prof. Dr. Wolfgang Bunzel (Koordinator der Brentanoabteilung des Freien Deutschen Hochstifts Frankfurt), Dr. Ulrike Kienzle (Musikwissenschaftlerin und Dramaturgin), Dr. Joachim Kemper (Leiter Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg), Burkard Fleckenstein (Kulturamtsleiter und Gesamtkoordinator), Anne Rotter (Projektmitarbeiterin) und Angelika Schwabe (Kunstfreunde Bensheim).

Ziel der Biennale soll es sein, die Kulturstadt Aschaffenburg als Ort lebendiger Erinnerungskultur überregional zu positionieren, Clemens Brentano und sein Umfeld ins Blickfeld zu rücken und seinem Leben und Werk einen Aktualitätsbezug zu geben. Das vielfältige Veranstaltungsprogramm spricht Menschen aller Altersgruppen und Bildungsschichten an. Die Finanzierung des Projektes soll über die Stadt Aschaffenburg, die Dessauer-Stiftung und den Bayerischen Kulturfonds erfolgen.

Pläne und Perspektiven

Über den Schwerpunkt Biennale hinaus möchte die Brentano-Akademie nach Möglichkeit das ganze Jahr über mit Veranstaltungen und Vermittlungsangeboten in Erscheinung treten. Das Kuratorium nimmt derzeit folgende Projekte in den Blick:

  • Studienaufenthalte im Künstlerhaus für Studierende der Geisteswissenschaften sowie Künstlerischer Ausbildungen, insbesondere aus den Bereichen Literatur, Musik und Bildende Kunst
  • Kreativaufenthalte für aktive Künstler (Schriftsteller, Musiker, Bildende Künstler)
  • Kooperationen mit Schulen und Veranstaltern vor Ort zum Themenfeld Romantik
  • „Wunderhorn-Wochenende“ jährlich im Herbst als wichtige Brückenveranstaltung zwischen den Festivals der Biennale.

Auf diese Weise möchte die Brentano-Akademie Aschaffenburg die romantische Idee eines „Gesamtkunstwerks“ und einer „progressiven Universalpoesie“ aufgreifen und weiterdenken. Sie möchte ein starkes, interaktives Netzwerk für Kunst, Wissenschaft und Publikum knüpfen. Sie will Lehrende und Lernende in kreativem Diskus zusammenbringen, und sie will ein Forum bieten, in dem Angehörige der unterschiedlichen Generationen und Nationalitäten ihre Freude an der kreativen Gestaltung, an Liedern und Märchen, Theater und Tanz, Bildern und Musik miteinander teilen.

Auf diese Weise wird die Romantik nicht nur als historisch vergangene Epoche in den Blick genommen. Ihre Impulse weisen vielmehr in die Zukunft. Deshalb versteht sich die Brentano-Akademie als Kreativwerkstatt und Begegnungsstätte von Menschen, die im Zeichen von Kunst und Kultur zur Identitätsstiftung einer neuen, von Aufgeschlossenheit und lebendigem Miteinander geprägten Gesellschaft beitragen wollen.

- Dr. Ulrike Kienzle

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